Grundlagen Technik und Taktik

Sechs Metallbälle und eine kleine Holzkugel als Ziel – mehr braucht man nicht für eine Runde Boule. Ex-Weltmeister Ulrich Koch erklärt die wichtigsten Handgriffe des geselligen französischen Dorfplatzsports.

  • Hand: Die Kugel umfassen, bis sie sicher in der Hand liegt. Der Griff muss fest sein, sie dürfen aber auch nicht verkrampfen, damit die Kugel nicht zu früh losfliegt.
  • Finger: Sie liegen eng aneinander, umfassen die Kugel etwa zur Hälfte. Beim Wurf gleitet sie vorbei an den Fingern, die in die gewünschte Flugrichtung zeigen. Bremst man dabei die Kugel mit den Fingern kurz ab, bekommt sie einen Rückdrall mit.
  • Daumen: Der Daumen liegt seitlich an, bildet mit dem Unterarm eine gerade, waagerechte Linie und stabilisert so die Kugel.
  • Handgelenk: Kippt die Hand ein wenig zur Seite, rollt die Kugel nach dem Aufschlagen in die entsprechende Richtung weiter.
  • Unterarm: Beim Wurf wird der Arm nach unten gestreckt, seitlich am Körper vorbei nach hinten gehoben. Hat man genug Höhe für den Wurf, den Arm gestreckt nach vorn pendeln lassen und die Kugel loslassen.

 

Technik:

Legen (franz. pointer)

Das so genannte Legen meint beim Boule: die eigene Kugel möglichst nahe bzw. günstig an der Zielkugel zu platzieren. Dem gegenüber steht das Schießen, das der Beseitigung gegnerischer Kugeln dient. Das Legen ist gewissermaßen die Pflicht, das Schießen die Kür...
Man unterscheidet beim Legen drei verschiedene Wurftechniken:

 
   Rollen oder Kullern (franz. Roulette),
 

 
   den halben Bogen (franz. demi-Portée)
 

 

 
   den hohen Bogen (franz. haute Portée)

 

 

Schießen (franz. tirer)

Wie schon gesagt dient das Schießen der Beseitigung gegnerischer Kugeln.

Man unterscheidet folgende Techniken:

A: starker Schuß, wo die Gegnerkugel weggeschossen wird, die Schußkugel aber nicht liegen bleiben wird.

B: Schuß mit Bogen - ein Karo ( Kugel bleibt liegen) ist bei einem Treffer wahrscheinlicher.

  • Der Schuß vor die Kugel: Die Kugel wird so gespielt, dass sie etwa 30 - 50 cm vor der anvisierten Kugel aufkommt und diese dann (hoffentlich) im Rollen trifft. Besonders für ungeübte Spieler eine gute Alternative zum Volltreffer, der als schwierig gilt. (s.u.).
  • Der Volltreffer: Spektakuläre Technik, erfordert viel Übung. Die gegnerische Kugel wird direkt anvisiert und versucht, direkt zu treffen, ohne dass die eigene Kugel beim Wurf Bodenkontakt hätte. Besonders das "Replacement" gilt bei Spielern als sehenswert - die Kugel des Gegenspielers wird durch die eigene weggeschleudert und gleichzeitig ersetzt. Ein fürwahr seltener und ebenso bewundernswerter Schuß, wenn er gelingt.

Zur Übung dieser Techniken empfehlt sich jede denkbare, geeignete Situation. Es muß kein Spiel sein, um die beschriebenen Wurftechniken zu erlernen oder zu verfeinern - zeichnen Sie sich eine "Zielscheibe" in das Spielfeld, um ihre Zielgenauigkeit zu testen und zu verbessern; markieren Sie sich verschiedene Entfernungen, um ihre passende Wurfhaltung herauszufinden. Was immer Ihnen dazu einfällt - wenn es der Verbesserung Ihres Spiels dient, tun Sie es! Denken Sie daran: Übung macht den Meister. In diesem Sinne viel Spaß und viel Erfolg!

 

C: Schuß im Rollen

  • Flachschuß: Eine Technik, die irgendwie an das Bowlen erinnert; die Kugel wird unmittelbar hinter dem Abwurfkreis aufgesetzt und rollt dann zum Ziel. Unglücklich ausgeführt (Bodenunebenheiten!), kann es passieren, dass bereits platzierte Kugeln stark im Mitleidenschaft gezogen werden, da die Kugel eine relativ hohe Geschwindigkeit besitzt. In Profikreisen nicht gerne gesehene Wurftechnik.

 

Taktische Überlegungen

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, selbst zum Punkt zu kommen: Eine eigene Kugel näher an die Zielkugel zu „legen“ oder den Punkt des Gegners aus dem zu Bild entfernen, dessen Kugel also zu „schießen“.

Einigen Sie sich, wer in der Mannschaft legt und wer bei Bedarf schießt (beide Jobs abwechselnd zu erledigen erfordert einige Übung und ist selbst unter Meisterspielern nicht üblich).

Können wir näher legen, oder sollten wir versuchen die gegnerische Kugel wegzuschießen? Um zum Punkt zu kommen, können auch eigene oder fremde Kugeln angespielt werden (man benutzt sie quasi als Umlenkpunkt bzw. Bande oder man drückt fremde Kugeln mit Gefühl zur Seite oder spielt eigene gefühlvoll an, um sie noch ins Spiel zu bringen). Eine weitere Möglichkeit ist, die Lage der Zielkugel durch Legen oder Schießen zu verändern.

Wie viele Kugeln haben wir noch, wie viele der Gegner? Sollten wir also lieber noch eine weitere Kugel in das Bild bringen, damit der Gegner nicht mit einem einzigen erfolgreichen Schuss ganz viele Punkte erzielt, da er unsere einzige gute Kugel entfernt hat...?

Kugeln vor der Zielkugel (also etwas zu kurz geratene) können später noch angenähert werden oder stören wenigstens den Gegner, da sie den direkten Weg blockieren. Kugeln die wesentlich zu lang sind, tragen oft nicht mehr zum Spiel bei (es sei denn die Zielkugel verändert ihre Position dorthin).