Strategie und Taktik

Klar, die technischen Grundlagen stehen beim Erlernen der Pétanque vorne an.
Doch so richtig interessant wird es erst wenn Taktik und Strategie zum Tragen kommen. Sie lassen sich vom technischen Können, purer Mathematik, dem eigenen Erfahrungsgrad, der Beobachtung und Einschätzung des Gegners, des Bodens, dem Wetter, der Spielpartner sowie einer offensiven oder defensiven Herangehensweise bzw. Ausrichtung des Teams (und so weiter und so fort) ableiten.
Es gibt viele Faktoren durch die das Spiel ja auch erst so richtig interessant wird und seine Tiefe und Komplexität gewinnt. Jedes Team muss selbst entscheiden welche Variablen es am stärksten gewichtet.

 

Bildquelle: wilde-dreizehn.de

Die zentrale Frage lautet zumeist: “Legen oder Schießen?”
Wobei Joppo darauf hinweist, dass die Antwort in den meisten Fällen entweder klar oder bei Gelingen unerheblich ist!

Wenn man als Anfänger auf den Platz kommt stellen einen die erfahreneren Spieler zumeist auf die Eins.
Das bedeute man legt für sein Team vor und spielt in jeder Aufnahme die erste Kugel. Das macht auch Sinn, denn die erste (Lern-)Aufgabe besteht darin vorne zu bleiben. Also die eigene Kugel vor der Sau zum Stehen zu bringen. Schließlich stört sie den Gegner so am meisten.
(Im absoluten Profibereich gibt es da allerdings auch noch eine andere Herangehensweise. Es lässt sich beobachten, dass der mehrfache Weltmeister und Starspieler Philippe Quintais gerne mal die erste Kugel hinter die Sau legt. Schießt der Gegner dann deswegen nicht kann das Team von Quintais den Verlauf der Aufnahme (Legen – Schießen – Legen) umdrehen. Diese gewagte Taktik empfiehlt sich allerdings nur für Mannschaften die über Schießer mit sehr hoher Carreau-Quote verfügen.)

In Wettkampfsituationen sollte man dann auch besser eine erfahrene Person Vorlegen lassen. Schließlich braucht man eine gute Eins um direkt Druck auf den Gegner bzw. seinen Tireur auszuüben.

Auch die Kugel neben die Sau zu Legen ist schon eine taktische Rafinesse. Die Franzosen nennen eine solche Kugel bâtard (Bastard). Sie ist weder davor noch dahinter. Gegner die Ihre Lege- bzw. Schussentscheidung jedoch genau davon abhängig machen kommen jetzt schon in’s Schwitzen. Angreifen, Ja oder Nein? Diskutiert das gegnerische Team länger wie es weiter vorgehen soll, so ist das zumeist schon ein sehr gutes Zeichen.

Ein nicht zu unterschätzender Faktor, um über das weitere Vorgehen zu entscheiden, ist die Bewertung des vorhandenen Bildes, der Kugeln am Boden. Zum Beispiel kann eine Kugel (mit Punkt) relativ weit von der Wutz entfernt liegen und sollte dennoch angegriffen werden wenn der Boden schwierig ist.

Das Kugelverhältnis spielt auch immer eine Rolle. Hat man mindestens genau so viele Kugeln auf der Hand wie der Gegner kann man sich in der Regel einen Schuß leisten. Hierbei sollte man allerdings auch den Gesamtpunktestand im Auge haben und beachten, dass zur Not noch etwas Verteidigung am Boden ist. Nicht, dass der Gegner auf einmal für Dreizehn schießen kann.

Das Bild eng zu machen und einen Billigmacher in der Nähe der Sau zu haben ist absolute Grundlage des Spiels. Am wertvollsten sind Kugeln im Konter. Sie werden durch eine gegnerische Kugel blockiert und können somit nicht geschossen werden.

Die berühmte Rettungsboje hinter der Sau hat auch schon so manche Aufnahme gerettet oder zumindest verhindert, dass sie besonders teuer wird. Denn ist man leer und hat alle Kugeln Vorne kann der Gegner versuchen das Cochonnet aus dem Bild zu ziehen und dann bequem seine verbliebenen Kugeln dazu packen.

“Mit der Letzten schießt man nicht!”, hört man auch ziemlich oft. Zu oft meiner Meinung nach. Man sollte diese Aussage nicht als Dogma verstehen, bestenfalls als Faustregel.