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Chronik des SC 09 Brachbach

Wie der Fußball nach Brachbach kam

In den Jahren 1907 bis 1910 wurden im Siegerland die meisten Fußballvereine gegründet. Auch im Brachbacher Oberdorf kamen 1908 einige Jungen im Alter von 14 bis 18 Jahren öfter zusammen, um über den Kauf eines Fußballes zu beraten. Jungen aus dem Hinterdorf wollten wir nicht dabei haben, da es zwischen den Jungen des Ober- und Hinterdorfes immer zu Reibereien kam, besonders im Winter bei den Schneeballschlachten.

Der Erwerb eines Fußballes geisterte also auch dauernd durch unsere Köpfe. Ein Ball kostete damals sieben Mark. Das war für uns viel Geld, denn ein Junge, der aus der Schule entlassen wurde und auf der Grube arbeitete, bekam für zehn Stunden - während er auf der Halde Eisenstein reinigen musste - eine Mark ausgezahlt. Es war uns fußballbegeisterten Jungen klar, dass kaum einer von uns mehr als eine halbe Mark für den begehrten Ball aufbringen konnte. So hieß es, 14 Jungen für unseren Plan zu gewinnen. Wir hatten sie bald zusammen: Robert Brenner, Franz Baldus, Stefan Bär, Stefan Zöller, Bernhard Baumeister, Bernhard Zöller, Josef Zöller, Josef Grindel, Josef Langenbach, Eduard Pfeifer, Josef Utsch, Paul Utsch, Alois Utsch und Bernhard Neuser.

Jeder gab seine 50 Pfennig. Eduard Pfeifer, der damals in Siegen bei Kersting in die Lehre ging, brachte den ersten Fußball mit nach Brachbach. Wir Oberdörfer Jungen waren so ziemlich alle zum Empfang an der Bahn und glücklich, den Ball in den Händen zu halten. Auf den Stangen, wo heute noch gespielt wird, stellten wir uns in zwei Reihen auf und traten den Ball hin und her. Eines Tages ging dem Ball die Luft aus. Wir liefen mit dem aus der Form geratenen Ball ins Dorf, setzten uns auf Schreinersch Treppe, machten die Lederhülle auf und mussten feststellen, dass die Gummiblase undicht war. Nun war guter Rat teuer, denn 1908 gab es in Brachbach noch kein Fahrrad, viel weniger eine Luftpumpe und Flickzeug. Damals arbeitete auf der Brachbacher Hütte ein Meister, Heinrich Bode aus Schelden, der ein Fahrrad besaß. Wir liefen zu ihm und der gute Heinrich flickte unseren Ball und pumpte ihn wieder auf. Wir wollten einem solchen Zwischenfall in Zukunft wirksam begegnen und so musste jeder noch 5 Pfennig bringen, damit wir uns Luftpumpe und Flickzeug kaufen konnten.

Spielregeln waren damals unbekannt. Im Frühjahr 1909 rief der Lehrer Josef Kappes, der sehr viel für die Brachbacher Jugend getan hat, die Fußballinteressierten in Luersch Wirtschaft zusammen und gründete mit 80 Mitgliedern den Fußballclub 1909. Von nun an spielten wir Fußball, Faustball und Schleuderball. Auf dem Häslich war damals noch Viehtrift und reichlich Platz für drei spielende Kolonnen. Die Fußballregeln brachte uns Karl Schnoor aus Eiserfeld bei. Das erste Wettspiel wurde in Freusburg auf einer Wiese der Freusburger Mühle zwischen Sieg und Straße ausgetragen. Da unser Gegner schon erfahren im Fußball war, trug er einen 11:0 Sieg davon. Unser damaliger Tormann Franz Wolf hatte schon in jungen Jahren einen Schnorres (Schnurbart). Wenn wir irgendwo spielten, hieß es immer „Die han in, dä hätt alt en Schnorres“

Erinnerungen unseres verstorbenen Ehrenvorsitzenden Bernhard Neuser sen., niedergeschrieben am 21.04.1975